Der 7. Oktober rückte näher. An diesem Tag stand der Republikgeburtstag an. Zu Ehren des Geburtstages sollte wieder ein Tag der offenen Türe veranstaltet werden. Es wurden Fahrzeuge ausgesucht die auf dem Exerzierplatz zur Schau gestellt werden sollten. An den Exerzierplatz schloss sich der Fußballplatz nahtlos an. Beide waren durch Zierelemente aus Beton optisch vom voneinander getrennt. Fußballspielen war uns untersagt wurden. Es gab nach den Spielen zu häufig Innendienstkranke. Soldat Tröger von der zweiten Kompanie rangierte seinen Sattelschlepper mit Panzermunition auf dem Exerzierplatz ein, als ich gerade über diesen lief und in den Armeekonsum( MHO - Militärhandelsorganison ) wollte. Er fuhr rückwärts in die Betonelemente, diese kippten langsam aber sicher nach hinten um. Der Batailloner schaute zufälliger Weise aus dem Fenster und bekam einen Schreikrampf. Er brüllte, ich mache einen Bataillonsappell, so etwas kann doch nicht sein. Ich dachte da gibt es Schlimmeres, ein Unfall kann jeden einmal passieren. Ich sah zu das ich in die MHO kam, ehe der seinen Appell abhielt. Und wirklich wegen so einem Unsinn machte er seinen Bataillonsappell. Es klang schon merkwürdig wenn er redete, für seinen Sprachfehler konnte er nichts aber er übertraf sich selber. Nach dem er seine Abhandlung über Unfälle erläutert hatte sprach er, ich befehlee ab heute werden keine Uunfällee meehr gemacht!! Das ganze Bataillon bog sich vor lachen, einschließlich der Stabsoffiziere. So einen unsinnigen Befehl hatte noch keiner gehört. Nach dem Appell setzte Soldat Tröger die Betonelemente neu. Die Arbeit dauerte keine Stunde. Am nächsten Morgen war wieder Bataillonsappell. Die vorzeitigen Beförderungen standen an. Aus unserem Zimmer war es Rudi der zum Gefreiten befördert wurde. Gefreiter Graichen wurde wieder zum Unteroffizier und Schroth wieder zum Gefreiten befördert. Als ob den das noch so kurzfristig vor der Entlassung anheben würde. Naja egal, jedenfalls hatte Zirl eine kleine Ehrentribüne aufbauen lassen. Er erwartete den SED – Bezirkschef des Bezirkes Erfurt und den Oberbürgermeister der Stadt zu Besuch. Im Vorfeld des Ereignisses hatten wir stundenlang Exerzieren geübt immer schön im Paradeschritt. Bestimmt versprach sich Zirl persönlich etwas davon. Am Vormittag des 7. Oktobers schaute ich mir einmal die Technik des Sanitätsbataillons an. Die verschiedenen OP – Zelte und die Fahrzeugtechnik. Das war schon einmal ganz interessant. Eines dieser Fahrzeuge war ein Amphibienfahrzeug. Das Grundmodel basierte auf dem Saporoshez. Dieses Fahrzeug war ein russischer Pkw. Eigentlich wurde viel über dieses Vehikel gespottet. Dieses hier hatten sie zu einem Cabrio umgebaut, einem Zweisitzer. Auf den hinteren Teil hatte man zwei Plasteliegen für Verletzte montiert. So etwas hatte ich noch nie gesehen, ich fragte mich schon ob das Funktionierte. Das Fahrzeug fuhr der Feldscher. Der war 100 Prozent von der Tauglichkeit des Schwimmautos überzeugt. Nach dem Mittagessen traten wir vor der Ehrentribüne an. Der OB, der Parteichef und Zirl hielten eine Rede. Es war die reinste Selbstbeweihräucherung, was anders konnte man auch nicht erwarten und wir Soldaten konnten sowieso nicht weglaufen. Nach den Reden erfolgte der Vorbeimarsch an der Tribüne. Im Paradeschritt zogen wir los. Zuerst die erste Kompanie, dann die Zweite, ja und dann haute es mich bald weg. Nach dem die ersten beiden Kompanien vorbeimarschierten waren folgten wir. Kaum waren wir an der Tribüne angelangt brüllte Roos, im Laufschritt marsch. Wir rannten an der Tribüne vorbei. Zirl fehlte einfach die Ruhe und Cleverniss um angemessen zu reagieren. Nachdem ihm der Kiefer nach unten geklappt war brüllte er, Major Roos sofort zu mir. Roos ignorierte das Schreien von Zirl und machte ihn vollkommen zum Obst vor seinen Ehrengästen. Zirl stürzte von der Tribüne Roos hinterher. Als er ihn eingeholt hatte, schrie er ihn an, wir sehen uns heute noch in meinem Dienstzimmer 17.00 Uhr, haben sie mich verstanden. So lustig wie das für uns war, zeigte es doch die Disziplinlosigkeit von Roos und sein ganzes schizophrenes Verhalten. So einer forderte von uns strengste Disziplin und Gehorsam und war doch selber die Verkörperung des Bösen. Ich fragte mich was in solch einem Kopf nur vor ging.
Noch war es ein knapper Monat bis wir E’s wurden. Die Truppe um Chalerie war schon schwer drauf, wir wollten in diesem Halbjahr noch einmal in den Ausgang. Luderer hatte ein paar Tage Urlaub, da trug ich mich schnell in das Ausgangsbuch ein und bekam den Ausgang auch genehmigt. Ich ging gerne mit der alten Truppe von der A - Kompanie in den Ausgang. Da war immer was angesagt. Freitag Abend zogen wir los und wir ließen die Sau raus. Wir sangen voller Inbrunst das EK – Lied und mit besonderer Hingabe den Refrain: Und dann ziehen wir durchs KTP und scheißen auf die Volksarmee. In der Innenstadt von Erfurt kam das mehr oder weniger gut bei der Bevölkerung an. Auf alle Fälle war es ein kultureller Beitrag von unserer Seite. Wo solch gut gelaunten Sänger wie wir unterwegs waren, war in die Militärstreife nicht allzu weit und so war es auch diesmal. Wir liefen ihnen genau in die Arme. Das wirkte schlagartig ernüchternd auf uns. Alles Schlechte was ich bisher mit diesen Konsorten erlebt hatte wurde in 5 Minuten als Lügen gestraft. Der Kommandeur der Streife, ein Leutnant, begleitet von drei Soldaten mit MPI sagte zu uns, folgen sie mir bitte in die nächste Seitenstraße. Ich dachte so wie wir uns benommen hatten war es das für den Ausgang und die Bestrafung wäre die logische Folge. Als wir in die Nebenstraße eingebogen waren sagte er zu uns, nehmen sie Haltung. Wir rissen die Hacken zusammen, so wie sie sich benommen haben müsste ich sie einsperren lassen. Als erstes stellen sie ihre Anzugsordnung her. Für mich hieß das den Schlips umbinden, für andere die Schirmmütze aufsetzen und eigentlich für jeden die Jacke zu schließen. Es geht doch meine Herren, sprach der Leutnant. Haun sie ab und benehmen sie sich, so möchte ich sie heute Abend nicht noch einmal erleben. Wir brüllten, jawohl Genosse Leutnant und verschwanden ganz, ganz schnell.
Dienstag, 30. August 2011
Der Ural
Das Leben in der Kaserne wurde durch die Polenkrise immer unruhiger. Meise und Dietmar rückten zu einer Kommandostabsübung aus. Gott sei Dank betraf das von unserer Kompanie nicht allzu viel Soldaten. Von den Sattelschleppern rückten auch noch einige aus. Die Übung fand auf dem Truppenübungsplatz in Nochten statt. Das war einer der größten Übungsplätze in der DDR. Es war auch Derjenige der am Nächsten zu Polen lag. Die DDR war ja nicht allzu groß, viele Möglichkeiten gab es keine um solche Plätze anzulegen. Den in Nochten hatten die Russen 1945 nach Beendigung des Krieges eingerichtet. Die NVA hatte ihn dann irgendwann nach ihrer Gründung übernommen. Der zog sich ungefähr bis 5 Kilometer an die polnische Grenze heran. Den Grenzverlauf zu Polen bestimmte die Neiße. Die Neiße entsprang im Isergebirge nahe der Stadt Jablonec ( Gablonz ). Nach wenigen Kilometern und einiger kleiner Stauseen erreichte sie Polen, um ab Zittau den Grenzverlauf zu bilden. Ungefähr10 Kilometer hinter Guben mündete sie in die Oder. Viele Dörfer und Städte waren zweigeteilt. Meistens lagen der größere Teil der Ortschaften auf deutscher Seite. Genau genommen gehörte die Region des Bezirkes Dresden zu Mitteldeutschland. Aber mit Beendigung des zweiten Weltkrieges wurde Deutschland geteilt und Schlesien kam zu Polen. Aus diesem Grund sprach der Volksmund von Ostdeutschland ( DDR ) und Westdeutschland ( BRD ). Das sich die Russen die Gegend um Nochten als Übungsplatz ausgesucht hatten, lag wahrscheinlich an der Landschaft. Riesige Kiefernwälder und Sandböden prägten die Region, wie in der Taiga. Unterbrochen wurde die Einöde durch große Braunkohletagebaue. An dem Tag als Meise und Dietmar nach Nochten ausrückten, wurde ein Ural mit Kastenaufbau in die Kaserne geschleppt. Er war von irgendeiner Thüringer Truppe die mit zu dieser Kommandostabsübung sollte. Um den Lkw reparieren zu können, musste der KFZ - Schlosser in den Kastenaufbau. Als er ihn öffnete kam es zum Eklat. Der Ural war vollgestopft mit Särgen. Schleunigst berief Zirl einen Bataillonsappell ein um die Situation zu beruhigen. Er argumentierte dass es in allen Bereichen des täglichen Lebens zu tödlichen Unfällen kommt. Niemand nehme daran Anstoß, außer den unmittelbar betroffenen Angehörigen. Genauso wäre es bei der Armee. Durch den Gebrauch von Schusswaffen und einer besonders hohen Konzentration von Menschen und Material sei die Gefahr nun einmal gegeben das es zu einer erhöhten Anzahl von Unfällen bei Übungen kommen kann aber nicht zwangläufig muss. Für den Fall der Fälle verlangt es der menschliche Anstand und die Pietät das entsprechende Utensilien bereit stehen und ständen. Das klang alles logisch und genau genommen wusste jeder von uns, der Oswin lauert über all. Nur war es immer etwas anderes, wenn man näher damit konfrontiert wurde. Im Gegensatz zu den Sattelschleppern waren Meise und Dietmar relativ schnell von der Übung wieder zurück. Bei der Übung gingen die Wälder um den Schießplatz in Flammen auf. Es war ja auch relativ Trocken und warm in den letzten Wochen gewesen. Schnell mussten die Beiden ihren Diesel an die kleineren und wendigeren Uraltanker abgeben und die Gefahrenzone verlassen. Meise erzählte die Mucker schliefen in Erdlöschern während der Übung. Auch sie sollten das und hatten sich eine Erdmulde gebuddelt. Wären aber Abends in ihre Lkws geschlichen. Das Essen war erstaunlich gut gewesen. Bei den Panzerfahrern des 4. Panzerregimentes kocht ein Fähnrich und der hätte richtige Ahnung, der würde aus Kienäppeln noch etwas zaubern.
Aber auch für die Offiziere wurde es während der Polenkrise ungemütlicher. Es wurden immer öfters Schießübungen angesetzt. Der Pistolenschießplatz befand sich auf unserem Kassernengelände gleich neben der Kompanie. Die Offiziere suchten auf freiwilliger Basis Soldaten, die die Schießscheiben wechselten. Von unserer Stube war Mario wie das Messer, wenn es ums Schießen ging. Da war er so etwas von geil drauf, es war einfach unglaublich. Er spekulierte darauf auch einmal mit der Pistole schießen zu dürfen. Mit der Spekulation lag er genau richtig. Die Buckels suchten ein paar Dumme die ihre Pistolen putzten und das machte derjenige der mit der Pistole zuletzt schoß. Logischer Weise waren das immer die Soldaten. War eine Schießübung für Offiziere angesetzt, Mario meldete sich immer freiwillig. Es störte ihn überhaupt nicht, das er sich zum Handlanger der Offiziere machte. Auch als es um das Schießen für die Schützenschnur ging, war Mario in der ersten Reihe. Stolz heftete er sich die Affenschaukel an die Jacke. Für diesen Unsinn hatte ich nur ein müdes Lächeln übrig.
Roos hatte mal wieder OvD. Da war wieder richtig Sackgang angesagt. Ich wollte eigentlich in den Ausgang. Der verzögerte sich gewaltig. Roos machte die Wachablösung nach Dienstvorschrift, das behauptete er zu mindesten. Ich hatte eher den Eindruck es war seine persönliche Dienstvorschrift, die da zur Anwendung kam. Die zweite Kompanie sollte die Dritte ablösen. Roos hatte alles zu bemängeln, das fing bei der Kleiderordnung an und endete bei der Reinigung des Wachlokales. Was gewöhnlich eine halbe Stunde dauerte, dauerte zwei Stunden. In dieser Zeit ließ Roos niemand in den Ausgang. Zu guter Letzt verlangte Roos den Wachaufzug mit Marschgesang. Den Gefallen tat die zweite Kompanie Roos gerne. Sie sangen das EK – Lied. Heinz Roos, Heinz Roos bald sind wir dich nun los, dann kannst du wieder striezen, die Springer und die Viezen. Roos lachte böse, mir war schon klar er würde aller zwei Stunden den Wachwechsel persönlich kontrollieren. Hier zeigte sich die ganze Kameradschaft die unter uns Soldaten herrschte. Weder die Soldaten der Zweiten noch wir der Dritte machten untereinander Stress wegen der Blödheit der Offiziere. Da war eher ein Bedauern das man solchen Idioten ausgesetzt war. So begann unser Ausgang mit Verspätung. Ich hatte diesmal Glück gehabt das Luderer mir den Ausgang nicht gestrichen hatte. Vielleicht lag es auch daran, dass ich in das Ausgangsbuch nur meinen Familiennamen geschrieben hatte. Es gab ja noch mehr Müllers. Kaum waren wir in der Innenstadt angelangt lief uns die Militärstreife über den Weg. Sie ließ uns in Ruhe. Aber das wirklich interessante waren die Wachsoldaten die den Offizier bekleideten. Einer von ihnen war Lutz Scheunert, den hatten sie ja Ende des ersten Diensthalbjahres von unserem Bataillon in den Divisionsstab versetzt. Da hatte dieser Schleimbeutel ja die richtige Tätigkeit. Er grüßte zu uns rüber, keiner von uns grüßte zurück. Wir fühlten uns unangenehm berührt von dieser Begegnung. Hoffentlich begegnet der mir mal nicht auf einer Fahrt Richtung Heimat. Ich hatte einmal während des Urlaubs Hüni von diesem Menschen erzählt. Hüni fragte wie heißt der? Lutz Scheunert, wiederholte ich. Mit dem Rindvieh habe ich gelernt sagte Hüni, ein übler Bursche, er war der Zuträger beim Lehrmeister. Einmal ist dem ein Hammer ins Gesicht gefallen, da konnte er sein Zähne neben dem Amboss aufsammeln. Aber sein Vater war ja Zahnarzt, der hat ihm eine schöne Prothese gebastelt. Manchmal trifft es eben doch die Richtigen.
Aber auch für die Offiziere wurde es während der Polenkrise ungemütlicher. Es wurden immer öfters Schießübungen angesetzt. Der Pistolenschießplatz befand sich auf unserem Kassernengelände gleich neben der Kompanie. Die Offiziere suchten auf freiwilliger Basis Soldaten, die die Schießscheiben wechselten. Von unserer Stube war Mario wie das Messer, wenn es ums Schießen ging. Da war er so etwas von geil drauf, es war einfach unglaublich. Er spekulierte darauf auch einmal mit der Pistole schießen zu dürfen. Mit der Spekulation lag er genau richtig. Die Buckels suchten ein paar Dumme die ihre Pistolen putzten und das machte derjenige der mit der Pistole zuletzt schoß. Logischer Weise waren das immer die Soldaten. War eine Schießübung für Offiziere angesetzt, Mario meldete sich immer freiwillig. Es störte ihn überhaupt nicht, das er sich zum Handlanger der Offiziere machte. Auch als es um das Schießen für die Schützenschnur ging, war Mario in der ersten Reihe. Stolz heftete er sich die Affenschaukel an die Jacke. Für diesen Unsinn hatte ich nur ein müdes Lächeln übrig.
Roos hatte mal wieder OvD. Da war wieder richtig Sackgang angesagt. Ich wollte eigentlich in den Ausgang. Der verzögerte sich gewaltig. Roos machte die Wachablösung nach Dienstvorschrift, das behauptete er zu mindesten. Ich hatte eher den Eindruck es war seine persönliche Dienstvorschrift, die da zur Anwendung kam. Die zweite Kompanie sollte die Dritte ablösen. Roos hatte alles zu bemängeln, das fing bei der Kleiderordnung an und endete bei der Reinigung des Wachlokales. Was gewöhnlich eine halbe Stunde dauerte, dauerte zwei Stunden. In dieser Zeit ließ Roos niemand in den Ausgang. Zu guter Letzt verlangte Roos den Wachaufzug mit Marschgesang. Den Gefallen tat die zweite Kompanie Roos gerne. Sie sangen das EK – Lied. Heinz Roos, Heinz Roos bald sind wir dich nun los, dann kannst du wieder striezen, die Springer und die Viezen. Roos lachte böse, mir war schon klar er würde aller zwei Stunden den Wachwechsel persönlich kontrollieren. Hier zeigte sich die ganze Kameradschaft die unter uns Soldaten herrschte. Weder die Soldaten der Zweiten noch wir der Dritte machten untereinander Stress wegen der Blödheit der Offiziere. Da war eher ein Bedauern das man solchen Idioten ausgesetzt war. So begann unser Ausgang mit Verspätung. Ich hatte diesmal Glück gehabt das Luderer mir den Ausgang nicht gestrichen hatte. Vielleicht lag es auch daran, dass ich in das Ausgangsbuch nur meinen Familiennamen geschrieben hatte. Es gab ja noch mehr Müllers. Kaum waren wir in der Innenstadt angelangt lief uns die Militärstreife über den Weg. Sie ließ uns in Ruhe. Aber das wirklich interessante waren die Wachsoldaten die den Offizier bekleideten. Einer von ihnen war Lutz Scheunert, den hatten sie ja Ende des ersten Diensthalbjahres von unserem Bataillon in den Divisionsstab versetzt. Da hatte dieser Schleimbeutel ja die richtige Tätigkeit. Er grüßte zu uns rüber, keiner von uns grüßte zurück. Wir fühlten uns unangenehm berührt von dieser Begegnung. Hoffentlich begegnet der mir mal nicht auf einer Fahrt Richtung Heimat. Ich hatte einmal während des Urlaubs Hüni von diesem Menschen erzählt. Hüni fragte wie heißt der? Lutz Scheunert, wiederholte ich. Mit dem Rindvieh habe ich gelernt sagte Hüni, ein übler Bursche, er war der Zuträger beim Lehrmeister. Einmal ist dem ein Hammer ins Gesicht gefallen, da konnte er sein Zähne neben dem Amboss aufsammeln. Aber sein Vater war ja Zahnarzt, der hat ihm eine schöne Prothese gebastelt. Manchmal trifft es eben doch die Richtigen.
Freitag, 26. August 2011
Sticheleien
Das die Soldaten Diensthalbjahresweise lagen sollte die EK Bewegung eindämmen. Das ging schon mal nach hinten los. Es hatte aber noch einen anderen Nachteil, anfänglich war er nicht zu erkennen. Mit fortschreitender Zeit kristallisierte es sich immer mehr heraus. Die Hackordnung fehlte. Niemand musste sich dem Anderen auf dem Zimmer unterordnen, eigentlich waren wir gleichgeschaltet. Das führte automatisch zu Konflikten. Gewöhnlich entluden die sich in kleinen Sticheleien und Spöttereien. Ich war von Haus aus in die Richtung veranlagt, dieser Umstand verstärkte meine Neigung. Ich fand schnell die Schwächen Anderer heraus und konnte darin stundenlang rumpulen. Damit hatte ich kein Problem. Irgendwann, die Meisten von uns lagen faul auf den Betten, fing Bengert an von seiner Freundin zu erzählen. Ihn musste der Teufel geritten haben, als er meinte sie arbeitet bei der Staatssicherheit. Glauben tat ich es ihm nicht, er wollte sich bestimmt nur wichtig machen. Da ist deine Freundin wohl eine richtige Rote, hörte ich Meise fragen? Ich schaute zu Meißner, der grinste und ich legte noch einen drauf. Da sind die Kommunisten wohl nicht nur manchmal im Busch, sondern ständig bei dir zu Hause? Das Zimmer jubelte, Bengert meinte wir wären dumme Schweine. Ich sagte zu ihm dumme Schweine sind besser wie Rote. Ach lasst mich doch in Ruhe, brummte er. In den nächsten Tagen stichelten wir immer wieder. Meise trällerte rot für dich rot für mich. Das fand ich gut und viel in den Gesang mit ein. Bald darauf sang es das ganze Zimmer. Bengert hatte die Schnauze endgültig voll und schrie wenn ihr nicht aufhört haue ich euch allen ein paar rein. Wir lachten ihn aus. Auf einmal meinte er, ich habe euch gewarnt, ich mache Meldung wenn ihr nicht aufhört. Das zog, davor hatten fast alle Angst und hörten auf. Ich wollte es näher wissen und fragte ihn, was willst du denn melden und bei wem willst du es melden? Bengert schaute mich mit großen Augen an und wusste nicht so recht was er sagen sollte. Na dem Roos werde ich es sage, ich lachte ihn aus. Der wird sich aber bei dir bedanken und dich ab treten lassen. Bengert wurde aggressiv, das wird der sich überlegen wenn ich ihm sage ihr habt euch über die Stasi lustig gemacht. Das haben wir ja gar nicht über dich haben wir uns lustig gemacht, du Kameradenverräter. Du bist doch nichts weiter wie ein Arschloch sagte ich zu ihm. Bengert flippte vollkommen aus und brüllte mich an, dich schlage ich kurz und klein, du Rindvieh. Da war er bei mir genau richtig. Das kannst du machen sagte ich zu ihm, ich suche schon seit einem viertel Jahr jemanden der mir meine Gebisssanierung bezahlt, ich werde mich auch nicht wehren. Er drehte völlig frei, komm sofort mit raus das regeln wir gleich. Ich ging in den Duschraum, er kam hinterher getobt. Na los fang an, hier ist mein Kinn da kannst du mal ordentlich drauf haun. Bengert war verunsichert und fragte warum machst du das? Was mach ich denn? Du hast doch vor Allen erzählt deine Freundin ist bei der Stasi. Da werden die sich aber bei dir auch recht schön bedanken, dass du so etwas erzählst. Mit dem bisschen Spott bist du doch gut bedient. Auch dass du mich kurz und klein schlagen willst hast du vor acht Zeugen erzählt. Da hätten wir gar nicht raus gehen brauchen, das kannst du auch auf dem Zimmer machen. Bengert wurde ruhiger und meinte von der Seite habe er das nicht betrachtet. Weist du was, ich hole heute Bier und dann trinken wir einen drauf. Klingt gut, sagte ich. Bier holen können die Springer, es langt zu wenn du es bezahlst. Lachend gingen wir aufs Zimmer. Kummer nahm mich in einem ruhigen Moment bei Seite. Was hast du denn dem erzählt, dass er sich so schnell ein bekommen hat? Mein lieber Uwe eigentlich nichts weiter. Ich habe ihm klar gemacht jede Medaille hat zwei Seiten.
Meise war bei uns der Stubenälteste, das akzeptierte jeder, das war in Ordnung. Nach dem zweiten Frühstück auf dem Zimmer sagte er zu Ulf, wisch doch mal bitte den Tisch ab, wenn der Roos reinschaut gibt es sonst wieder Ärger. Ulf war zickig und rief immer ich. Du bist auch immer der Letzte, sagte Meise und dann hast du dich immer wie ein Mädchen. Ulf lachte albern. Man das klingt wie bei so einer Uschi schimpfte Arno. Das war die Geburtsstunde von Ulfs Spitznamen. Er war ab jetzt unsere Uschi. Unbedingt rief das bei ihm kein Frohsinn hervor. Je mehr er sich ärgerte, umso lieber riefen wir ihn Uschi. Den Namen wurde er nicht mehr los. Eigentlich war es nicht üblich dass ein Geburtstagskind von uns beschenkt wurde. Wer Geburtstag hatte der musste ein Teil Bier ausgeben und damit war die Sache erledigt. Meise meinte, dem müssen wir genau das Richtige schenken. Kümmerli sagte Lockenwickler wären nicht schlecht, genau rief Bernhard jeder bringt aus dem Urlaub irgendein Utensil mit. Da ich aber erst im Sonderurlaub war, konnte ich nichts mit beisteuern. Es war schon amüsant was da zusammen kam. Ein Haarnetz, Strumpfhosen, Lockenwickler, Damenparfüm und noch einiges mehr. Meise schrieb die Glückwunschkarte. Unserer lieben Uschi alles Gute zum Geburtstag, dann unterschrieben alle. Als er eingeschlafen war packten wir es auf den Tisch. Am nächsten Tag hatte Roos Frühdienst. In seiner ungehobelten Art stürzte er schon halb Sechs in die Zimmer, damit wir auch alle schon bei Zeiten wach waren. Er sah die Geburtstagsgeschenke und begutachtete sie, er nahm die Glückwunschkarte und las. Während meine Zimmerkameraden so taten als schliefen sie tief und fest, schaute ich was Roos veranstaltete. Er bekam es mit das ich ihn beobachtete. Müller brüllte er, damit auch alle munter wurden, wer ist Uschi? Ulf schlief im Doppelstockbett neben mir, oben. Ich zeigte grinsend mit dem Daum nach ihm. Roos lachte los, das habe ich mir schon fast gedacht, der sieht auch so aus und polterte aus dem Zimmer. Wir hatten aber auch noch andere Hobbys, als sich untereinander zu ärgern. Wir hörten in unserer Freizeit gerne und viel Radio. In Thüringen empfingen wir genügend deutschsprachige Radioprogramme. Ostdeutsche Sender wollten wir natürlich nicht hören. Was verboten war reizt doppelt. Am liebsten hörten wir Hitparaden. Da hatte fast jeder Sender seine Eigene. Das Musikangebot war viel weitergefächert als in der DDR. In der DDR gab es ende der 70ziger Jahre eigentlich nur zwei Hauptrichtungen was die Unterhaltungsmusik anging. Das waren Schlager und deutsche Rockmusik. In der BRD sah das alles etwas anders aus. Da gab es Rock and roll, Country, Schlager, Rockmusik, Chansons, Blödelmusik und noch einiges mehr. Ich will nicht sagen dass es das bei uns nicht gab, aber die meisten Musikrichtungen davon besetzten bestenfalls Nischen. Im Radio hörte man solche Musik nicht. Bands wie Torfrock und Truckstopp lösten bei uns schon Jubelstürme aus.
Meise war bei uns der Stubenälteste, das akzeptierte jeder, das war in Ordnung. Nach dem zweiten Frühstück auf dem Zimmer sagte er zu Ulf, wisch doch mal bitte den Tisch ab, wenn der Roos reinschaut gibt es sonst wieder Ärger. Ulf war zickig und rief immer ich. Du bist auch immer der Letzte, sagte Meise und dann hast du dich immer wie ein Mädchen. Ulf lachte albern. Man das klingt wie bei so einer Uschi schimpfte Arno. Das war die Geburtsstunde von Ulfs Spitznamen. Er war ab jetzt unsere Uschi. Unbedingt rief das bei ihm kein Frohsinn hervor. Je mehr er sich ärgerte, umso lieber riefen wir ihn Uschi. Den Namen wurde er nicht mehr los. Eigentlich war es nicht üblich dass ein Geburtstagskind von uns beschenkt wurde. Wer Geburtstag hatte der musste ein Teil Bier ausgeben und damit war die Sache erledigt. Meise meinte, dem müssen wir genau das Richtige schenken. Kümmerli sagte Lockenwickler wären nicht schlecht, genau rief Bernhard jeder bringt aus dem Urlaub irgendein Utensil mit. Da ich aber erst im Sonderurlaub war, konnte ich nichts mit beisteuern. Es war schon amüsant was da zusammen kam. Ein Haarnetz, Strumpfhosen, Lockenwickler, Damenparfüm und noch einiges mehr. Meise schrieb die Glückwunschkarte. Unserer lieben Uschi alles Gute zum Geburtstag, dann unterschrieben alle. Als er eingeschlafen war packten wir es auf den Tisch. Am nächsten Tag hatte Roos Frühdienst. In seiner ungehobelten Art stürzte er schon halb Sechs in die Zimmer, damit wir auch alle schon bei Zeiten wach waren. Er sah die Geburtstagsgeschenke und begutachtete sie, er nahm die Glückwunschkarte und las. Während meine Zimmerkameraden so taten als schliefen sie tief und fest, schaute ich was Roos veranstaltete. Er bekam es mit das ich ihn beobachtete. Müller brüllte er, damit auch alle munter wurden, wer ist Uschi? Ulf schlief im Doppelstockbett neben mir, oben. Ich zeigte grinsend mit dem Daum nach ihm. Roos lachte los, das habe ich mir schon fast gedacht, der sieht auch so aus und polterte aus dem Zimmer. Wir hatten aber auch noch andere Hobbys, als sich untereinander zu ärgern. Wir hörten in unserer Freizeit gerne und viel Radio. In Thüringen empfingen wir genügend deutschsprachige Radioprogramme. Ostdeutsche Sender wollten wir natürlich nicht hören. Was verboten war reizt doppelt. Am liebsten hörten wir Hitparaden. Da hatte fast jeder Sender seine Eigene. Das Musikangebot war viel weitergefächert als in der DDR. In der DDR gab es ende der 70ziger Jahre eigentlich nur zwei Hauptrichtungen was die Unterhaltungsmusik anging. Das waren Schlager und deutsche Rockmusik. In der BRD sah das alles etwas anders aus. Da gab es Rock and roll, Country, Schlager, Rockmusik, Chansons, Blödelmusik und noch einiges mehr. Ich will nicht sagen dass es das bei uns nicht gab, aber die meisten Musikrichtungen davon besetzten bestenfalls Nischen. Im Radio hörte man solche Musik nicht. Bands wie Torfrock und Truckstopp lösten bei uns schon Jubelstürme aus.
Donnerstag, 25. August 2011
Der Freundschaftswettkampf
Schnell war man in den Trott der Armee zurück gekehrt, der militärische Alltag holte einen fix ein. Eines Tages hieß es, es würde sportliche Freundschaftswettkämpfe mit den sowjetischen Soldaten geben. In den Disziplinen 3000 Meterlauf, Handgranatenweitwurf, Weitsprung, Schießen und Sturmbahnlauf sollten die Besten ermittelt werden. Von unserer Kompanie hatten sich unter anderem Thomas Kuchta und Andreas Kempe gemeldet. Es war ein Wochenende an dem der Wettkampf statt fand. Die russischen Offiziere kamen uns auf den Kompanien besuchen. Sie waren freundlich und nett und brachten kleine Geschenke mit. Einer der Offiziere machte einen kleinen Pappkoffer auf und legte aufs Zimmer mehrere Schachteln Zigaretten. Misstrauisch begutachteten wir die Schachteln. Mühsam entzifferte ich die kyrillischen Buchstaben, Siwernye hieß die Sorte. Meise machte eine Schachtel auf. Es waren filterlose Zigaretten. Der lange Müller roch an ihnen und sagte die riechen wie russisches Steppengras, wir lachten. Meise zündete sich als erster eine an, er rauchte sowieso meistens filterlose Zigaretten. Er meinte, die schmecken wie getrocknete Kamelscheiße. Sie stanken wirklich fürchterlich. Ich sagte, das muss man positiv sehen, da fallen die Mücken Tod von den Wänden. Ich probierte auch eine. Nach der Hälfte drückte ich sie aus. Das Steppenkraut war ziemlich stark und schmeckte wirklich nicht besonders. Ich meinte zwei Schachteln stecke ich mir ein, wenn man mal wieder knapp bei Kasse ist, müssen die eben reichen. Wir teilen die Schachteln unter uns Rauchern auf. Zum Wettkampf ging ich nicht, er fand ja in der Freizeit statt, da konnten die mich alle mal. Lieber haute ich mich in die Koje und lauschte am Bettzipfel. Die Auswertung des Wettkampfes war interessant. Die Russen hatten drei von fünf Disziplinen gewonnen. Aber die Plätze zwei bis fünf belegten unsere Soldaten. In der Mannschaftswertung waren wir Deutschen einfach besser. Hoffentlich wurden die russischen Soldaten nicht bestraft. Sie wurden sowieso wie Tiere gehalten. Einmal hatten wir während des ersten Diensthalbjahres eine russische Kaserne besucht. Die Soldaten schliefen in Sälen bis zu 70 Personen. Sie hatten einen einzigen Schrank. Der war endlos lang und mit Schiebetüren versehen. Die einzelnen Fächer und Regale waren durchnummeriert und den Soldaten zugeteilt. Zwei Jahre mussten sie in Deutschland dienen, davor ein Jahr in ihrer Heimat. Einen Anspruch auf Heimaturlaub gab es nicht, der konnte gewährt werden. Ausgang war nur in Gruppe möglich. Die russischen Kasernen sahen meistens verkommen aus aber pik sauber waren sie von innen. Die russischen Soldaten durften nicht einmal auf unsere Kompanien, damit sie nicht sahen, wie „luxuriös“ die NVA – Soldaten lebten. Da fragte man sich schon, wie konnte so eine Armee den Weltkrieg gewinnen. Denn die kriegsentscheidenden Schlachten hatten nun mal die Russen gewonnen, und nicht die Amerikaner oder die Engländer, von den Franzosen ganz zu schweigen. Laut durfte man so eine Frage natürlich nicht stellen. Davon mal abgesehen hatten die Ideologen immer eine Antwort parat.
Wir versuchten es uns schon gemütlich auf den Zimmern zu machen. Den Umständen natürlich entsprechend. Meise, Dietmar und Rudi fuhren öfters mal raus um ihren Sprit in andere Kasernen zu fahren. Hin und wieder gingen sie einkaufen, so etwas war natürlich auch eine Kostenfrage. Manchmal brachten sie ein paar Flaschen Fruchtwein mit. Da kam der Liter eine knappe Mark. Die andere Seite war, solche Dinge gab es schwer zu kaufen. Die DDR verfügte über eine Mangelwirtschaft. Eines Tages brachte Rudi ein Kilo Hackepeter mit rein. Ich hatte aus der Küche ein paar Zwiebeln besorgt. Mario und Uwe machte sich ans Zwiebel schneiden, Müller kochte Tee jeder hatte zu tun. Nur ich lag faul auf dem Bett und belegte Mario dumm, nicht böse aber nervend. Nach einer Weile stand ich auf und wollte auf die Toilette, ich musste an Mario vorbei. Der sagte zu mir, das wird ja Zeit das du fauler Sack dich auch einmal bewegst. Ich sah aus dem Augenwinkel er wollte mir mit einem Gegenstand auf meinen Allerwertesten schlagen. Mit der linken Hand schlug ich gegen dieses ominöse Objekt. Das entpuppte sich als Messer und ich schnitt mir meinen linken Ringfinger bis zum Knochen auf. Mario war genauso erschrocken wie ich und holte schnell ein Pflaster. Das war nach wenigen Sekunden durchgesuppt genauso wie der Verbandsmull den wir dann anlegten. Mario meinte da müssen wir zum Doc, das muss genäht werden. Wir sausten ins Sanitätsbataillon. Der Doc. war nicht mehr da aber der Feldscher. Der Fähnrich hatte von uns den Namen Fleischer verpasst bekommen. Der blühte richtig auf als er den Finger nähen konnte. Die nächste Woche war ich Innendienstkrank.Die E`s von den Sattelschlepperfahrern erledigten ihre Einkäufe prinzipiell mit dem Fahrzeug. Samstag nach Dienstschluss war der Fuhrpark oftmals nicht verschlossen, da einige mit ihren Arbeiten am Fahrzeug bis 12 nicht fertig wurden. Die E.s nutzten das zu Schwarzfahrten. Von den Offizieren war nur der OvD im Bataillon und der wusste nicht bescheid, wer einen Fahrauftrag hatte und wer nicht. Die Wache interessierte es gleich gar nicht. Warum sollten wir unseren eigenen Kameraden Stress machen. Die Fahrzeuge mussten natürlich wieder betankt werden. Die Tatras waren Dieselfahrzeuge. Es langte zu wenn ein drittel des Kraftstoffes im Tank Diesel war. Der Rest konnte Benzin sein. Das mit dem Betanken wurde zum Problem. Die Tankerfahrer hatten Angst. Der Militärstaatsanwalt hatte gerade seinen eigenen Fahrer zu vier Monaten Schwedt verurteilt, als er mitbekam, das dieser Sprit heimlich verkauft hatte, ein exemplarisches Urteil. Mich störte das nicht, ich tankte die Fahrzeuge auf. Was sollte da schon passieren? Einmal im halben Jahr wurden die Fahrzeuge ausgelitert, mit anderen Worten es wurde nachgemessen wie viel Benzin verflogen war. Jeder Tanker verfügte über einen Kapillarfilter wo die entstehenden Gase entweichen konnten. Klar wenn man andere Fahrzeuge betankt, war der Verdunstungsgrad etwas höher und bei mir war er am höchsten. Ich sagte zu Patschen und Roos das ist nur logisch, schließlich fahre ich einen von zwei Tankern mit VK 79. Das niedrig oktanische Benzin verflüchtigt sich nun mal schneller und Unterschiede gibt es zwischen jeden Tanker, das liegt sicherlich an den Filtern. Außerdem gibt der andere VK 79 Tanker sein Benzin öfters mal in Kasernen ab und wird zwischenrein mit neuem Kraftstoff versehen. Das war für beide logisch und sie bohrten nicht weiter nach. Das Tanklager für die Tanker war in Erfurt Marbach. Dort residierte Fähnrich Brausewetter. Der war formell Roos unterstellt, aber eben weit, weit weg. Wenn er mal in der Kompanie auftauchte, brachte er eine Flasche Schnaps mit und verschwand bei Roos im Dienstzimmer. Das war ein offenes Geheimnis, das wusste jeder. Solche Aktionen wie das Betanken und dem Auslitern der Fahrzeuge sprachen sich unter den Soldaten schnell rum und ich galt bald als harter Hund unter ihnen. Das hatte zur Folge, das erste Diensthalbjahr hatte großen Respekt vor mir. Wenn es irgendwelchen Ärger mit ihnen auf dem Zimmer gab, schoben mich meine Zimmerkameraden vors Loch. Ich hatte damit kein Problem.In meiner Freizeit las ich gerne mal ein Buch. Im Bataillon befand sich eine Bibliothek. Viel Schundliteratur gab es da. Das einzig Interessante war die Bibliothekarin. Als frisch Verheirateter schaute man natürlich nur mit einem halben Auge hin. Im Fernsehzimmer der Kompanie standen in den Schränken auch Bücher herum. Keine Sau schaute da hin. Irgendwann machte ich mir doch die Mühe und stellte erstaunt fest, es standen da mehrere Bücher von Solschenizyn. Es musste schon sehr lange her sein, das hier jemand nachgeschaut hatte. Denn dieser russische Schriftsteller war in der DDR unerwünscht bzw. verboten. Da konnte man mal sehen, wann ein Offizier hier das letzte Mal reingeschaut hatte, vielleicht tauchten hier noch alte Wehrmachtsbücher auf. Ich schnappte mir so ein Buch und fing es an zu lesen. Naja es ging um den großen Vaterländischen Krieg, wie die Russen den letzten Weltkrieg umschrieben. Im Großen und Ganzen beschrieb es den „ruhmreichen Sieg“ der Sowjetarmee. Das übliche Gelaber, aber halt eine Passage des Buches widmete er dem Einmarsch der Sowjetarmee 1939 in Polen. Das war Interessant. Wenn das stimmte was da stand, hatten die Russen ihren Krieg gegen die Polen mit den Deutschen gemeinsam geplant. Er ummantelte das natürlich geschickt mit den Worten, zum Schutze der Heimatinteressen haben sie Ostpolnische Gebiete besetzt. So etwas barg natürlich politischen Sprengstoff. Kein Wunder das seine Schriften im Osten verboten waren.
Mittwoch, 24. August 2011
Hochzeit
Der August ging zu Ende am 13.09. wollte ich heiraten. Bis dahin waren es noch ein paar Tage. Nach 20.00 Uhr gingen wir für gewöhnlich in den Fernsehraum. Meistens schauten wir Westfernsehen. Wenn man in Erfurt war, musste man das nutzen. 90 Prozent der Soldaten sahen das ebenso. Sie kamen ja fast alle aus dem Bezirk Dresden und waren über das Westfernsehen genauso froh wie ich. Der Farbfernseher war ein russisches Produkt und hieß Raduga. In den sozialistischen Ländern wurde das SECAM System für das Farbfernsehen genutzt. Im Westen wurde das Farbfernsehen auf der Basis des PAL System gesendet. So konnten wir das Fernsehen aus dem Nachbarland wir nur schwarz - weiß empfangen. Es störte uns nicht weiter, im DDR Fernsehen liefen auch noch viele schwarz – weiß Filme. Aber ich sah das erste Mal Horror und Sciencefiction Filme. Am Besten gefiel mir die Schau mit Mike Krüger. Die halbe Kompanie stand Kopf, als es hieß, Samstagabend kommt Frankenstein. Nach dem Film war mir klar, die kochen auch nur mit Wasser. So ein Unsinn wäre nachmittags bei Professor Flimmrich ( Kinderfernsehen ) im DDR Fernsehen gelaufen. Spannend wurde es wenn der Fernseher in die Reparatur musste. Da waren wir ganz schön am kreiseln, denn das Relais musste ausgelötet und die Petschaft geknackt werden, ohne das es die Offiziere mit bekamen. Kam der Fernseher aus der Reparatur zurück, begann das Spiel von Neuen. Russische Fernseher waren öfters kaputt, die produzierten mehr Hitze wie Bildqualität. Den Offizieren war trotzdem klar auf den Kompanien wird Westfernsehen geschaut. Manchmal versuchte der OvD es zu unterbinden. Immer wenn er auf die Kompanie kam brüllte der der UvD Achtung und machte Meldung. Das war für uns das Zeichen, die Stromverbindung zu dem Relais zu unterbrechen und der Fernseher schaltete auf eins von zwei DDR Programmen um. OvDs die sich für besonders gewieft hielten, gaben dem UvD durch Handzeichen zu verstehen, sie sollten nicht Achtung rufen. Aber wir kannten ja unsere Pappenheimer. Wenn einer der üblich Verdächtigen OvD hatte, stellten wir einen Springer als Sonderwache vor die Tür. Der kam dann schnell in den Fernsehraum, wenn so eine Pappnase auftauchte. Ich nahm mir auch mal in der Freizeit etwas Sinnvolles vor und beschäftigte mich mit dem Basteln einer Deckenlampe. Aus Speerholz sägte ich die einzelnen Elemente aus. Es waren an die 20 Einzelteile. Sechs davon wurden mit Blumenornamenten versehen. Zuerst zeichnete ich sie auf das Speerholz um sie dann auszusägen. Der nächste Arbeitsgang war das Schleifen und Schmirgeln der Einzelteile. Die mit den Ornamenten verzierten Teile wurden auf der Rückseite mit Transparentpapier beklebt. Ich hatte im Vorfeld der Bastelarbeiten schon verschiedenfarbiges Glas gesammelt. Das wickelte ich in unterschiedliche Tücher und zerschlug das Glas mit dem Hammer zu kleinen und feinen Splittern. Diese mischte ich mit Leim und drückte die Masse in die ausgesägten und mit Transparentpapier verklebten Ornamente. Auf dies Art und Weise entstanden wunderschöne Glasblumen. Zu guter letzt setze ich die Einzelteile zusammen, verleimte und verschlief sie. Nach Installation der Elektrik spendete sie ein wunderbar warmes Licht. Mit dem Lötkolben senkte ich die Kanten zu einem tiefen Braun. Im abschließenden Arbeitsgang lackierte ich meine Lampe mit matt glänzendem farblosem Lack.
Dann war es soweit die Hochzeit stand an. Man hatte mir zwei Tage Sonderurlaub bewilligt. Ich war nicht der erste von unserem Diensthalbjahr der heiratete. Vor mir hatte schon Chaleri den Gang gewagt. Mit der Hochzeit während der Armeezeit wollte man eigentlich demonstrieren, auch hier geht das Leben weiter. Freitag den 12.09. nach Dienstdchluss wollte ich in den Urlaub. Es gab Stress. Nur wenn mein Tankerhänger wieder einsatzfähig war durfte ich in den Urlaub. Ich mache den Leuten vom Kfz Zug mein Anliegen klar. Den Hänger hätten sie schon lange reparien können. Immer wieder ging ich ihnen auf den Zünder. 17.00 war er fertig und ich macht mich für den Urlaub startklar.Während der Zugfahrt überkamen mich wieder Zweifel ob ich mit der Hochzeit richtig lag. Irgendetwas stand zwischen Conny und mir, seit der Geburt unseres Sohnes. Was sollte ich machen? Der Urlaub war immer zu kurz um über das Problem zu reden. Da musste ich jetzt durch. Über die Problematik konnte man auch nach der Armee reden, da war man wieder vor Ort, da konnte man es direkt anpacken. Also schob ich die düsteren Gedanken in die Ecke. Gegen 22.00 Uhr schlug ich bei Vattern auf. Conny und Thomas waren auch da. Vater war mit den Nerven am Ende und drehte restlos am Rad. Erna war ja auch noch da. Sie war extra aus Singen angereist. Die Wohnung war rappelvoll. Es war furchtbar. Der Hochzeitsurlaub fing gut an. Das Standesamt befand sich auf dem Wasaplatz. 10.30 Uhr war Termin. Die Taxen verspäteten sich. mein sorbischer „Freund“ hatte sich doch entschieden zur Hochzeit zu erscheinen und labberte Conny schon wieder voll, umhüllt von einer Schnapswolke. Seine Frau tat mir wirklich leid. Ich sagte zu ihm hör auf oder es kracht. So hatte ich mir die Hochzeit nicht vorgestellt. Endlich kamen die Wolgataxen. Conny ging ganz in weiß, es war ihr Traum. Ich hatte einen dunkelblauen Anzug an, Erna hatte ihn mir geschenkt. Nur hatte ich bei der Armee reichlich 10 kg abgenommen, ich brachte keine 60 Kilo mehr auf die Waage, ich hing in dem Anzug wie ein Schluck Wasser. Es war nicht zu ändern. Die Hochzeit selber und die anschließende Feier verliefen ruhig und friedlich. Vater bekam sich nicht mit dem Schwiegerdrachen in die Haare. Nach Mitternacht schlugen wir bei Conny auf. Die Hochzeitsnacht war wie jede Nacht mit ihr. Am nächsten Morgen versuchte ich mit ihr über meine Sorgen zu reden, sozusagen als Ehemann zur Ehefrau. Conny sagte sie hätte die Geburt geistig noch nicht verarbeitet. Sie wäre selig und körperlich sehr belastend gewesen. Ich wusste selber solche Dinge brauchen Zeit. Unterstützen konnte ich sie kaum, denn heute Abend musste ich ja auch schon wieder weg. Aber ein Anfang war gemacht auf dem man aufbauen konnte. Wie schon das letzte Mal ging ich nicht allzu spät, damit Thomas zur Ruhe kommen konnte. Ich schaute bei Vater noch mal vorbei, bedankte mich bei ihm und Erna für ihre Mühe und die Geschenke. Bevor ich nach Dresden Neustadt machte nahm ich mir neue Zivilsachen aus dem Schrank. Der Endschuss war weise keine Armeesachen anzuziehen. Vor dem Zug patrollierte die Militärpolizei. Wie immer durften wir keine internationalen Züge benutzen. Die hätten mich gleich festgenommen. Ich lief durch den Zug und sah dass die Militärpolizei sich in einem Abteil häuslich eingerichtet hatte. Ich hörte wie sie sich mit dem Zugschaffner unterhielten. Dieser sagte zu den Kettenhunden, der Genosse von der Transportpolizei muss auch gleich kommen, dann können wir mit der Kontrolle beginnen. Mir wurde anders, das hieß sie wollten auch Zivilisten kontrollieren. Schnell stieg ich aus dem Zug. Was machst du jetzt bloß ging mir durch den Kopf? ich schaut auf den Fahrplan, der nächste Zug fuhr 05.50 Uhr nach Leipzig um 06.00 Uhr musste ich in der Kaserne sein. Ich fuhr zurück zum Hbf und ging an den Fahrkartenschalter und bettelte die Bahnangestellte ob sie mir nicht eine Bestätigung schreiben könnte, dass der Zug von Heidenau nach Dresden, wegen eines Oberleitungsschaden, Verspätung hatte. Sie sagte das könnte sie nicht tun. Ich bettelte weiter, die sperren mich ein, wenn ich zu spät komme. Wollen sie das wirklich? Sie schüttelte den Kopf, nahm ein Formular und bestätigte die Verspätung. Ich sagte zu ihr, ich könnte sie Küssen, sie lachte. Ich ging noch einmal zu Vater, da schlief alles. Die bekamen von der Sache gar nichts mit. Früh der Zug fuhr pünktlich. Ich traf einen Resi der Luftwaffe, er wollte nach Sangerhausen. Er hatte Urlaub bis Mittag 12.00 Uhr bekommen. In Erfurt musste er in den Personenzug nach Sangerhausen umsteigen. Wir machten es uns gemütlich bis Erfurt und gingen auf dem Bahnhof noch in die Mitropagaststätte auf zwei Bierchen. Danach trabte ich in die Kaserne. Dort lauerte man schon auf mich, man hatte die Sache schon zum Batailloner getragen. Ich musste sofort auf das Dienstzimmer von Roos. Erstaunlicherweise redete er normal mit mir. Ich legte ihm die Bescheinigung der Bahnangestellten vor. Da haben sie aber Glück, meinte er. Warum haben sie nicht angerufen?. Ach wissen sie, ich war so aufgeregt, daran habe ich nicht gedacht. Ja,ja meinte er, treten sie weg.
Auf der Kompanie hatte es heute Morgen gewaltigen Stunk gegeben. Roos hatte Frühdienst gehabt und die Kompanie zum Essen begleitet. Da mussten auch die E´s mit. Roos wollte das die Kompanie ihr Marschlied singt. Sie hatten sich geweigert. Roos ließ sie immer wieder um den Exerzierplatz marschieren, aber sie sangen nicht. Wut entbrannt ließ er sie Essen, das durfte er der Kompanie nicht verweigern. Essen war Dienst und Dienst ist Pflicht. Danach ließ er die Kompanie wieder marschieren. Sie weigerten sich aber nach wie vor zu singen. Roos beantragte zur „militärischen Ertüchtigung“ beim Batailloner einen Nachtmarsch. Denn Gruppenbestrafungen waren verboten. Mit mir hatte die Sache ja nun nichts tun, Roos verkündete: Müller macht dass mit, damit er merkt bei der Armee sieht die Hochzeitsnacht anders aus. Er hatte die Lacher auf seiner Seite. Ich dacht na warte, du Arsch. Der Marsch sollte mit voller Ausrüstung statt finden. Ich schütte mein Sturmgepäck in den Spind, genauso wie die Gasmaske und den Jumbo. Die Taschen und die Jumborolle füllte ich mit Zeitungspapier. Kummer meinte und wenn der nun Gasalarm gibt. Da habe ich halt Pech. Meiße und Bengert machten es genauso. Roos ließ uns in den Bezugsraum nach Windischholzhausen marschieren. Die Gefreiten Grabow und Ullrich waren Innendienstkrank geschrieben. Sie holten uns in Mönschsholzhausen mit den Fahrzeugen ab. 23.00 Uhr viel ich todmüde ins Bett. Mein letzter Gedanke vor dem Einschlafen war, die Hochzeit samt Urlaub war nur Stress.
Dann war es soweit die Hochzeit stand an. Man hatte mir zwei Tage Sonderurlaub bewilligt. Ich war nicht der erste von unserem Diensthalbjahr der heiratete. Vor mir hatte schon Chaleri den Gang gewagt. Mit der Hochzeit während der Armeezeit wollte man eigentlich demonstrieren, auch hier geht das Leben weiter. Freitag den 12.09. nach Dienstdchluss wollte ich in den Urlaub. Es gab Stress. Nur wenn mein Tankerhänger wieder einsatzfähig war durfte ich in den Urlaub. Ich mache den Leuten vom Kfz Zug mein Anliegen klar. Den Hänger hätten sie schon lange reparien können. Immer wieder ging ich ihnen auf den Zünder. 17.00 war er fertig und ich macht mich für den Urlaub startklar.Während der Zugfahrt überkamen mich wieder Zweifel ob ich mit der Hochzeit richtig lag. Irgendetwas stand zwischen Conny und mir, seit der Geburt unseres Sohnes. Was sollte ich machen? Der Urlaub war immer zu kurz um über das Problem zu reden. Da musste ich jetzt durch. Über die Problematik konnte man auch nach der Armee reden, da war man wieder vor Ort, da konnte man es direkt anpacken. Also schob ich die düsteren Gedanken in die Ecke. Gegen 22.00 Uhr schlug ich bei Vattern auf. Conny und Thomas waren auch da. Vater war mit den Nerven am Ende und drehte restlos am Rad. Erna war ja auch noch da. Sie war extra aus Singen angereist. Die Wohnung war rappelvoll. Es war furchtbar. Der Hochzeitsurlaub fing gut an. Das Standesamt befand sich auf dem Wasaplatz. 10.30 Uhr war Termin. Die Taxen verspäteten sich. mein sorbischer „Freund“ hatte sich doch entschieden zur Hochzeit zu erscheinen und labberte Conny schon wieder voll, umhüllt von einer Schnapswolke. Seine Frau tat mir wirklich leid. Ich sagte zu ihm hör auf oder es kracht. So hatte ich mir die Hochzeit nicht vorgestellt. Endlich kamen die Wolgataxen. Conny ging ganz in weiß, es war ihr Traum. Ich hatte einen dunkelblauen Anzug an, Erna hatte ihn mir geschenkt. Nur hatte ich bei der Armee reichlich 10 kg abgenommen, ich brachte keine 60 Kilo mehr auf die Waage, ich hing in dem Anzug wie ein Schluck Wasser. Es war nicht zu ändern. Die Hochzeit selber und die anschließende Feier verliefen ruhig und friedlich. Vater bekam sich nicht mit dem Schwiegerdrachen in die Haare. Nach Mitternacht schlugen wir bei Conny auf. Die Hochzeitsnacht war wie jede Nacht mit ihr. Am nächsten Morgen versuchte ich mit ihr über meine Sorgen zu reden, sozusagen als Ehemann zur Ehefrau. Conny sagte sie hätte die Geburt geistig noch nicht verarbeitet. Sie wäre selig und körperlich sehr belastend gewesen. Ich wusste selber solche Dinge brauchen Zeit. Unterstützen konnte ich sie kaum, denn heute Abend musste ich ja auch schon wieder weg. Aber ein Anfang war gemacht auf dem man aufbauen konnte. Wie schon das letzte Mal ging ich nicht allzu spät, damit Thomas zur Ruhe kommen konnte. Ich schaute bei Vater noch mal vorbei, bedankte mich bei ihm und Erna für ihre Mühe und die Geschenke. Bevor ich nach Dresden Neustadt machte nahm ich mir neue Zivilsachen aus dem Schrank. Der Endschuss war weise keine Armeesachen anzuziehen. Vor dem Zug patrollierte die Militärpolizei. Wie immer durften wir keine internationalen Züge benutzen. Die hätten mich gleich festgenommen. Ich lief durch den Zug und sah dass die Militärpolizei sich in einem Abteil häuslich eingerichtet hatte. Ich hörte wie sie sich mit dem Zugschaffner unterhielten. Dieser sagte zu den Kettenhunden, der Genosse von der Transportpolizei muss auch gleich kommen, dann können wir mit der Kontrolle beginnen. Mir wurde anders, das hieß sie wollten auch Zivilisten kontrollieren. Schnell stieg ich aus dem Zug. Was machst du jetzt bloß ging mir durch den Kopf? ich schaut auf den Fahrplan, der nächste Zug fuhr 05.50 Uhr nach Leipzig um 06.00 Uhr musste ich in der Kaserne sein. Ich fuhr zurück zum Hbf und ging an den Fahrkartenschalter und bettelte die Bahnangestellte ob sie mir nicht eine Bestätigung schreiben könnte, dass der Zug von Heidenau nach Dresden, wegen eines Oberleitungsschaden, Verspätung hatte. Sie sagte das könnte sie nicht tun. Ich bettelte weiter, die sperren mich ein, wenn ich zu spät komme. Wollen sie das wirklich? Sie schüttelte den Kopf, nahm ein Formular und bestätigte die Verspätung. Ich sagte zu ihr, ich könnte sie Küssen, sie lachte. Ich ging noch einmal zu Vater, da schlief alles. Die bekamen von der Sache gar nichts mit. Früh der Zug fuhr pünktlich. Ich traf einen Resi der Luftwaffe, er wollte nach Sangerhausen. Er hatte Urlaub bis Mittag 12.00 Uhr bekommen. In Erfurt musste er in den Personenzug nach Sangerhausen umsteigen. Wir machten es uns gemütlich bis Erfurt und gingen auf dem Bahnhof noch in die Mitropagaststätte auf zwei Bierchen. Danach trabte ich in die Kaserne. Dort lauerte man schon auf mich, man hatte die Sache schon zum Batailloner getragen. Ich musste sofort auf das Dienstzimmer von Roos. Erstaunlicherweise redete er normal mit mir. Ich legte ihm die Bescheinigung der Bahnangestellten vor. Da haben sie aber Glück, meinte er. Warum haben sie nicht angerufen?. Ach wissen sie, ich war so aufgeregt, daran habe ich nicht gedacht. Ja,ja meinte er, treten sie weg.
Auf der Kompanie hatte es heute Morgen gewaltigen Stunk gegeben. Roos hatte Frühdienst gehabt und die Kompanie zum Essen begleitet. Da mussten auch die E´s mit. Roos wollte das die Kompanie ihr Marschlied singt. Sie hatten sich geweigert. Roos ließ sie immer wieder um den Exerzierplatz marschieren, aber sie sangen nicht. Wut entbrannt ließ er sie Essen, das durfte er der Kompanie nicht verweigern. Essen war Dienst und Dienst ist Pflicht. Danach ließ er die Kompanie wieder marschieren. Sie weigerten sich aber nach wie vor zu singen. Roos beantragte zur „militärischen Ertüchtigung“ beim Batailloner einen Nachtmarsch. Denn Gruppenbestrafungen waren verboten. Mit mir hatte die Sache ja nun nichts tun, Roos verkündete: Müller macht dass mit, damit er merkt bei der Armee sieht die Hochzeitsnacht anders aus. Er hatte die Lacher auf seiner Seite. Ich dacht na warte, du Arsch. Der Marsch sollte mit voller Ausrüstung statt finden. Ich schütte mein Sturmgepäck in den Spind, genauso wie die Gasmaske und den Jumbo. Die Taschen und die Jumborolle füllte ich mit Zeitungspapier. Kummer meinte und wenn der nun Gasalarm gibt. Da habe ich halt Pech. Meiße und Bengert machten es genauso. Roos ließ uns in den Bezugsraum nach Windischholzhausen marschieren. Die Gefreiten Grabow und Ullrich waren Innendienstkrank geschrieben. Sie holten uns in Mönschsholzhausen mit den Fahrzeugen ab. 23.00 Uhr viel ich todmüde ins Bett. Mein letzter Gedanke vor dem Einschlafen war, die Hochzeit samt Urlaub war nur Stress.
Montag, 22. August 2011
Nach der Übung ist vor der Übung.
Am nächsten Tag war Tankerwaschen angesagt. Gleich nach dem Morgenappell ging es los dass übliche Prozedere. Zapfenludi hatte mich zusätzlich noch zum Tanker einrangieren eingeteilt. Die Tankerhänger durften nicht einfach rückwärts eingeparkt werden. Das war uns per Befehl verboten worden. Der Tatratanker hatte an der Stoßstange vorne eine extra Öse, dort wurde die Anhängerdeichsel eingehangen und los ging es. Nach dem Waschen nahm man den Tanker entgegen, fuhr zur Tankstelle, stellte die Fahrbereitschaft wieder her und im Anschluss wurde Tanker und Hänger eingeparkt.
Zur Übung war ich mit eigenem Tanker ausgerückt, hatte aber einen anderen Hänger, da die Werkstatt es noch nicht fertig gebracht hatte meinen angestammten Hänger zu reparieren. Ich stellte mich mit meinen Tanker in die Schlange an der Waschrampe. Vor mir stand der Tanker von Soldaten Weinhold vom ersten Diensthalbjahr. Er hatte mir einmal erzählt dass er aus dem kleinen Erzgebirgsörtchen Sadisdorf stammt. Eigentlich war er ein umgänglicher Typ. Ich ging zu ihm hin und sagte zu ihm, du wäschst dann meinen Tanker mit, ihr seit ja zwei Mann, da könnt ihr das leicht bewerkstelligen. Ich weis nicht was ihn gebissen hatte, er sagte zu mir, das fällt aus das kannst du alleine machen. Ich dachte ich hätte mich verhört und fragte nach. Da quäkte es von der anderen Seite, ihr Zwischenschweine könnt euren Dreck alleine machen. Ich schaute nach wer das gesagt hatte. Es war Soldat Peters vom ersten Diensthalbjahr. Ich sagte ganz gelassen zu ihnen, das Lösen wir anders und holte Uffz. Ammling, dem erzählte ich die Geschichte. Er meinte der Peters wäre ihm persönlich auch schon mehrmals dumm gekommen, das Regeln wir jetzt. Wir gingen zu den beiden Lumpersäcken, Ammling erteilte ihnen den Befehl meinen Tanker zu waschen. Peters jammerte rum, sie müssten auch noch die Tanker von den E`s waschen. Ammling sagte das braucht ihr auch, ich unterstelle euch jetzt den Befehl von Soldat Müller. Na dann wollen wir mal, sagte ich zu meinen beiden Edelspringern. Damit ihr euere Wut so richtig beim Waschen von meinem Tanker rauslassen könnt, sag ich Euch schon jetzt mal das ihr nach Dienstschluss auf meinem Zimmer zu erscheinen habt. Großes Programm Stubenreinigen ist angesagt und für dich Peters habe ich noch eine besondere Aufgabe, sie wird dir Freude bereiten. Ammling bekam das große Grinsen. Während Meiße und ich die Hänger einrangierten, bat ich Kummer, Uwe das Reinigen meines Tankers zu beaufsichtigen. Ich mochte seine ruhige Art. Es hatte was wenn er solche Sachen beaufsichtigte. Er fand immer die Dreckstellen am Fahrzeug und wie er dann den Leuten klar machte, dass sie die Arbeit noch einmal machen mussten, das gab es kein zweites Mal. Abends kamen meine beiden Spezis aufs Zimmer und los ging es, Spinde raus, wischen, bohnern und keulen. Während meine Stubenkameraden auf den Betten lagen, machte ich den beiden Dampf. Fenster putzen war als Abschlussübung angesagt. Für Weinhold hatte sich die Sache erledigt. Zu Peters gewand zeigte ich auf die Stubenhocker, drückte ihm eine Drahtbürste in die Hand und sagte zu ihm. Damit du hier nichts mehr schmutzig machst, gehst du auf den Gang und machst die Stöpsel an den Hockerfüßen sauber. Da sehen deine Kameraden mal wie schön du das kannst. Widerwillig trabte er ab. Ich sagte zu ihm, Lächeln oder du machst die Stöpsel von deinem Zimmer auch noch sauber. Die Springer versuchten immer mal wieder sich dem Druck zu entziehen, war ja irgendwo auch logisch, wenn man Diensthabjahresweise zusammen lag, versuchte man sich zu wehren. Meistens ging das aber nach hinten los, die Retourkutsche schlug mit doppelter Wucht zurück. Einmal hatten die Resis Soldaten Speer vom ersten Diensthalbjahr in der Mache. Das war schon verwunderlich, normaler Weise sind Resis die friedfertigsten Soldaten die es gibt, sie wollen nur ihre Ruhe. Also muss er ganz gewaltig rumgezuckt haben. Sie spielten mit ihm Schildkröte, hatten ihm vier Stahlhelme an die Arm und Kniegelenke gebunden und einen auf den Kopf gesetzt. So schoben sie ihn über den Korridor bis er jeglichen Hochmut abgelegt hatte. So lustig wie das für uns war, für Speer war es gefährlich. Wenn er zu stark in eine Wand oder an den Heizkörpern einschlug, konnte er sich die Halswirbel verletzten. Mir viel auf, dass besonders die Soldaten aus dem Erzgebirge aufsässig waren, denn Speer kam auch von dort. Er kam aus Geising und war mit Hünis Freundin Sylvia um vier Ecken verwand. Sie hieß mit Famiienname auch Speer. Vermutlicher Weise drückte denen der Schnee zu sehr aus Gemüt. Im August kam Vater mich noch einmal kurz besuchen. Er war auf Dienstreise und musste Heimwärts über Erfurt. Er schrieb mir, ich könnte ja versuchen Ausgang zu bekommen. Zapfenludi und ich waren richtige „Freunde“ geworden. Wenn er mitbekam dass ich Ausgang beantragt hatte, strich er ihn persönlich. Bestimmt hatte er eine Latte dabei. So war es auch diesmal. Vater war richtig enttäuscht als ich in Dienstuniform am KDL erschien. Kein Problem meinte ich und zog im KDL – Häuschen meine Dienstuniform aus und ging in Zivil. Mein Vater war erstaunt, früher hat es so etwas nicht gegeben meinte er zum Unteroffizier. Tscha, so ändern sich die Zeiten, sagte er zu meinem Vater. Wir gingen Abendbrot essen und bummelten noch ein bisschen durch Erfurt. Nach dem ich meinen Vater zum Zug gebracht hatte, trabte ich Richtung Kaserne. Ich beschloss in die Gaststätte Rudelsburg zu gehen. Die befand sich neben unserer Kaserne. Bei uns Landsern genoss die Gaststätte keinen guten Ruf. Es hieß der Wirt würde den Offizieren zuarbeiten, wenn Soldaten illegal Alkohol holten. Ich weis nicht was an dem Gerücht war, aber hatte keine Lust es zu testen. Den Anderen ging es genauso. Aus diesem Grund mieden wir diese Lokalität. In Zivil hatte ich kein Problem mich da rein zusetzten. Die Rudelsburg war gut besucht. An einem Tisch waren noch Plätze frei. Schnell merkte ich auch warum, der Gast war betrunken. Zu ihm wollte sich niemand setzten. Er laberte mich dumm voll, es störte mich nicht. Bei der Armee laberte immer jemand doof. Irgendwann bezahlte er und ging. Auf einmal kam er zurück und lallte, ich habe meine Jacke vergessen, da draußen stehen Russen und die Volkspolizei. Die kontrollieren jeden, ein Russe wäre türmen gegangen. Das war für mich eine dumme Situation, ich hatte keine Ausgangskarte und nur den Wehrpass. Wo stehn die denn, fragte ich den Betrunkenen? Na da, meinte er und zeigte durchs Fenster. Ach du grüne Neune, das war ja gleich neben den Eingang, da konnte ich nicht raus. Jetzt musste ich erst einmal die Lage peilen und ging auf die Toilette, die befand sich über dem Flur. Ich hatte Glück das Fenster war groß genug, da kam ich durch. In aller Ruhe trank ich mein Bier aus, bezahlte und verschwand durchs Toilettenfenster. Bis zur Kaserne waren es vielleicht 50 Meter. Ich schaute nach dem Posten, die zweite Kompanie stand Wache. Es war Soldat Boje´ der Wache schob. Er war ebenfalls Vize. Ich sagte na du alter Hugenottenkönig, wie sieht es aus, ist die Luft rein. Er sagte ich geh mal schaun, ich komm gleich wieder. Ganz aufgeregt kam er zurück. Hauptmann Winkler ist heute OvD, der nimmt gerade euere Kompanie auseinander. Der UvD gibt dir vom Fenster ein Zeichen, wenn du auf die Kompanie kannst. Das primitive Gemache zwischen den Offizieren war unglaublich. Wenn der Roos Dienst hatte würde er die Zweite auseinander nehmen. Winkler sucht bestimmt wieder Bierteile, für seine Selbstbestätigung. Als ich noch TA - Schreiber war und er Dienst hatte, kam er zu mir einmal in den Ersatzteilkeller. Er brachte sogar zwei Mann von der Wache mit. Da er das in der Dienstzeit gemacht hatte, ging ich damals Nikolaus holen. Der war außer sich und die beiden belegten sich auf das Übelste. Gefunden hatte Winkler nichts. Nikolaus war eigentlich auch nicht besser wie Winkler. Genau genommen war er noch viel hinterhältiger. Wenn er mit Lück an den Wochenenden Dienst hatte und sie in der Kaserne bleiben mussten, aus welchen Gründen auch immer, legten sie sich auf sie Lauer und fingen die Soldaten ab, die Bier holen gingen. Sie bestraften die Soldaten nicht. Sie soffen das Bier selber, schafften die Flaschen weg und gaben die leeren Teile uns wieder. Das war wirklich das Allerletzte.
Ich kletterte inzwischen über die Mauer und schwatzte mit Boje´. Boje´ hatte nervöse Augen und zwingerte immer so merkwürdig. Das hatte ihn den Namen Blinkerboje eingebracht. Er meinte in 14 Tagen geht der Winkler in Pension, dass er sich das noch einmal an tun muss. Ich winkte ab, die spinnen doch alle. Boje´ sagte zu mir, du bist aber auch ein verrückter Hund. Die Geschichte mit der Schnapsflasche als sie uns gezogen hatten in Radebeul, das vergesse ich nie. Das waren meine Eltern den du die Flasche gegeben hattest und jetzt machst du solche Dinger, UE in Zivil. Lachend sagte ich zu ihm, das machst du doch auch, er nickte. Eine viertel Stunde musste ich noch warten ehe ich auf die Kompanie konnte.
Zur Übung war ich mit eigenem Tanker ausgerückt, hatte aber einen anderen Hänger, da die Werkstatt es noch nicht fertig gebracht hatte meinen angestammten Hänger zu reparieren. Ich stellte mich mit meinen Tanker in die Schlange an der Waschrampe. Vor mir stand der Tanker von Soldaten Weinhold vom ersten Diensthalbjahr. Er hatte mir einmal erzählt dass er aus dem kleinen Erzgebirgsörtchen Sadisdorf stammt. Eigentlich war er ein umgänglicher Typ. Ich ging zu ihm hin und sagte zu ihm, du wäschst dann meinen Tanker mit, ihr seit ja zwei Mann, da könnt ihr das leicht bewerkstelligen. Ich weis nicht was ihn gebissen hatte, er sagte zu mir, das fällt aus das kannst du alleine machen. Ich dachte ich hätte mich verhört und fragte nach. Da quäkte es von der anderen Seite, ihr Zwischenschweine könnt euren Dreck alleine machen. Ich schaute nach wer das gesagt hatte. Es war Soldat Peters vom ersten Diensthalbjahr. Ich sagte ganz gelassen zu ihnen, das Lösen wir anders und holte Uffz. Ammling, dem erzählte ich die Geschichte. Er meinte der Peters wäre ihm persönlich auch schon mehrmals dumm gekommen, das Regeln wir jetzt. Wir gingen zu den beiden Lumpersäcken, Ammling erteilte ihnen den Befehl meinen Tanker zu waschen. Peters jammerte rum, sie müssten auch noch die Tanker von den E`s waschen. Ammling sagte das braucht ihr auch, ich unterstelle euch jetzt den Befehl von Soldat Müller. Na dann wollen wir mal, sagte ich zu meinen beiden Edelspringern. Damit ihr euere Wut so richtig beim Waschen von meinem Tanker rauslassen könnt, sag ich Euch schon jetzt mal das ihr nach Dienstschluss auf meinem Zimmer zu erscheinen habt. Großes Programm Stubenreinigen ist angesagt und für dich Peters habe ich noch eine besondere Aufgabe, sie wird dir Freude bereiten. Ammling bekam das große Grinsen. Während Meiße und ich die Hänger einrangierten, bat ich Kummer, Uwe das Reinigen meines Tankers zu beaufsichtigen. Ich mochte seine ruhige Art. Es hatte was wenn er solche Sachen beaufsichtigte. Er fand immer die Dreckstellen am Fahrzeug und wie er dann den Leuten klar machte, dass sie die Arbeit noch einmal machen mussten, das gab es kein zweites Mal. Abends kamen meine beiden Spezis aufs Zimmer und los ging es, Spinde raus, wischen, bohnern und keulen. Während meine Stubenkameraden auf den Betten lagen, machte ich den beiden Dampf. Fenster putzen war als Abschlussübung angesagt. Für Weinhold hatte sich die Sache erledigt. Zu Peters gewand zeigte ich auf die Stubenhocker, drückte ihm eine Drahtbürste in die Hand und sagte zu ihm. Damit du hier nichts mehr schmutzig machst, gehst du auf den Gang und machst die Stöpsel an den Hockerfüßen sauber. Da sehen deine Kameraden mal wie schön du das kannst. Widerwillig trabte er ab. Ich sagte zu ihm, Lächeln oder du machst die Stöpsel von deinem Zimmer auch noch sauber. Die Springer versuchten immer mal wieder sich dem Druck zu entziehen, war ja irgendwo auch logisch, wenn man Diensthabjahresweise zusammen lag, versuchte man sich zu wehren. Meistens ging das aber nach hinten los, die Retourkutsche schlug mit doppelter Wucht zurück. Einmal hatten die Resis Soldaten Speer vom ersten Diensthalbjahr in der Mache. Das war schon verwunderlich, normaler Weise sind Resis die friedfertigsten Soldaten die es gibt, sie wollen nur ihre Ruhe. Also muss er ganz gewaltig rumgezuckt haben. Sie spielten mit ihm Schildkröte, hatten ihm vier Stahlhelme an die Arm und Kniegelenke gebunden und einen auf den Kopf gesetzt. So schoben sie ihn über den Korridor bis er jeglichen Hochmut abgelegt hatte. So lustig wie das für uns war, für Speer war es gefährlich. Wenn er zu stark in eine Wand oder an den Heizkörpern einschlug, konnte er sich die Halswirbel verletzten. Mir viel auf, dass besonders die Soldaten aus dem Erzgebirge aufsässig waren, denn Speer kam auch von dort. Er kam aus Geising und war mit Hünis Freundin Sylvia um vier Ecken verwand. Sie hieß mit Famiienname auch Speer. Vermutlicher Weise drückte denen der Schnee zu sehr aus Gemüt. Im August kam Vater mich noch einmal kurz besuchen. Er war auf Dienstreise und musste Heimwärts über Erfurt. Er schrieb mir, ich könnte ja versuchen Ausgang zu bekommen. Zapfenludi und ich waren richtige „Freunde“ geworden. Wenn er mitbekam dass ich Ausgang beantragt hatte, strich er ihn persönlich. Bestimmt hatte er eine Latte dabei. So war es auch diesmal. Vater war richtig enttäuscht als ich in Dienstuniform am KDL erschien. Kein Problem meinte ich und zog im KDL – Häuschen meine Dienstuniform aus und ging in Zivil. Mein Vater war erstaunt, früher hat es so etwas nicht gegeben meinte er zum Unteroffizier. Tscha, so ändern sich die Zeiten, sagte er zu meinem Vater. Wir gingen Abendbrot essen und bummelten noch ein bisschen durch Erfurt. Nach dem ich meinen Vater zum Zug gebracht hatte, trabte ich Richtung Kaserne. Ich beschloss in die Gaststätte Rudelsburg zu gehen. Die befand sich neben unserer Kaserne. Bei uns Landsern genoss die Gaststätte keinen guten Ruf. Es hieß der Wirt würde den Offizieren zuarbeiten, wenn Soldaten illegal Alkohol holten. Ich weis nicht was an dem Gerücht war, aber hatte keine Lust es zu testen. Den Anderen ging es genauso. Aus diesem Grund mieden wir diese Lokalität. In Zivil hatte ich kein Problem mich da rein zusetzten. Die Rudelsburg war gut besucht. An einem Tisch waren noch Plätze frei. Schnell merkte ich auch warum, der Gast war betrunken. Zu ihm wollte sich niemand setzten. Er laberte mich dumm voll, es störte mich nicht. Bei der Armee laberte immer jemand doof. Irgendwann bezahlte er und ging. Auf einmal kam er zurück und lallte, ich habe meine Jacke vergessen, da draußen stehen Russen und die Volkspolizei. Die kontrollieren jeden, ein Russe wäre türmen gegangen. Das war für mich eine dumme Situation, ich hatte keine Ausgangskarte und nur den Wehrpass. Wo stehn die denn, fragte ich den Betrunkenen? Na da, meinte er und zeigte durchs Fenster. Ach du grüne Neune, das war ja gleich neben den Eingang, da konnte ich nicht raus. Jetzt musste ich erst einmal die Lage peilen und ging auf die Toilette, die befand sich über dem Flur. Ich hatte Glück das Fenster war groß genug, da kam ich durch. In aller Ruhe trank ich mein Bier aus, bezahlte und verschwand durchs Toilettenfenster. Bis zur Kaserne waren es vielleicht 50 Meter. Ich schaute nach dem Posten, die zweite Kompanie stand Wache. Es war Soldat Boje´ der Wache schob. Er war ebenfalls Vize. Ich sagte na du alter Hugenottenkönig, wie sieht es aus, ist die Luft rein. Er sagte ich geh mal schaun, ich komm gleich wieder. Ganz aufgeregt kam er zurück. Hauptmann Winkler ist heute OvD, der nimmt gerade euere Kompanie auseinander. Der UvD gibt dir vom Fenster ein Zeichen, wenn du auf die Kompanie kannst. Das primitive Gemache zwischen den Offizieren war unglaublich. Wenn der Roos Dienst hatte würde er die Zweite auseinander nehmen. Winkler sucht bestimmt wieder Bierteile, für seine Selbstbestätigung. Als ich noch TA - Schreiber war und er Dienst hatte, kam er zu mir einmal in den Ersatzteilkeller. Er brachte sogar zwei Mann von der Wache mit. Da er das in der Dienstzeit gemacht hatte, ging ich damals Nikolaus holen. Der war außer sich und die beiden belegten sich auf das Übelste. Gefunden hatte Winkler nichts. Nikolaus war eigentlich auch nicht besser wie Winkler. Genau genommen war er noch viel hinterhältiger. Wenn er mit Lück an den Wochenenden Dienst hatte und sie in der Kaserne bleiben mussten, aus welchen Gründen auch immer, legten sie sich auf sie Lauer und fingen die Soldaten ab, die Bier holen gingen. Sie bestraften die Soldaten nicht. Sie soffen das Bier selber, schafften die Flaschen weg und gaben die leeren Teile uns wieder. Das war wirklich das Allerletzte.
Ich kletterte inzwischen über die Mauer und schwatzte mit Boje´. Boje´ hatte nervöse Augen und zwingerte immer so merkwürdig. Das hatte ihn den Namen Blinkerboje eingebracht. Er meinte in 14 Tagen geht der Winkler in Pension, dass er sich das noch einmal an tun muss. Ich winkte ab, die spinnen doch alle. Boje´ sagte zu mir, du bist aber auch ein verrückter Hund. Die Geschichte mit der Schnapsflasche als sie uns gezogen hatten in Radebeul, das vergesse ich nie. Das waren meine Eltern den du die Flasche gegeben hattest und jetzt machst du solche Dinger, UE in Zivil. Lachend sagte ich zu ihm, das machst du doch auch, er nickte. Eine viertel Stunde musste ich noch warten ehe ich auf die Kompanie konnte.
Freitag, 19. August 2011
Bergfest
Ich musste zu Oberleutnant Nikolaus ins Dienstzimmer. Die monatliche Abrechnung der Tanker stand an. Im Zimmer war noch der Lückenhafte als die Tür aufging. VW betrat das Zimmer. Sein linkes Ohr war in Mull verpackt. Er hatte schon abstehende Ohren die fast in rechten Winkel zum Kopf standen aber jetzt noch diese Verpackung. Er sah so etwas von schräg aus und fing gleich an zu lamentieren, sein Nachbar hätte ihm das Ohr eingerissen. Seine Frau wäre verschwunden gewesen und er hatte sie bei ihm gefunden. Sie hockt laufend beim Nachbarn rum. Als er sie aufgefordert hat mit nach Hause zu kommen, hätte ihn der Nachbar am Ohr gepackt und rausgeschmissen. Ich schaute zu Nikolaus der verkniff sich das Lachen. Lück sagte und das hast du dir gefallen lassen. Den habe ich bei der Polizei angezeigt. Lück hakte nach, da hast du das auch erzählt, VW nickte. Nikolaus schaut zu mir und tippte mit dem Zeigefinger an die Stirne. VW redete sich in Rasche, das er die Schnauze voll hätte von der Frau mit ihren drei Kindern. Ich sagte das sind doch auch ihre Kinder. Nö meinte er, die hat sie mitgebracht. Neulich hätte er eine der Töchter gesucht, weil sie ausgebüchst war. Gegen Mitternacht wäre sie in ihrer Stammkneipe dann aufgetaucht, rauchend. Wie alt ist den die Tochter fragte ich? 12 sagte VW. Ich war ehrlich erschüttert, mein Gott Walter das sind ja asoziale Verhältnisse, dachte ich so für mich. Das ist nun dein Politoffizier. Genau genommen passte er in die Truppe. Soldaten mit jeder Menge Westverwandtschaft, die als politisch unzuverlässlich galten, Unteroffizier und Offiziere die strafversetzt wurden und ein Politoffizier aus asozialen Verhältnissen. Mit so einer Truppe konnte man die Welt erobern.
Kurze Zeit später stand ich wieder Feuerwache. Tagsüber beschäftigte ich mich im Ersatzteillager. Es war Samstag, Patschen wollte mich kontrollieren. Er kam in Begleitung von einer jungen Frau. Das ist meine Freundin aus Görlitz, sagte er. Sie war klein und zierlich und hatte ein hübsches Gesicht. Patschen schwafelte ein Haufen dummes Zeug. Auf einmal rief er Soldat Müller, stillgestanden, ich belobige sie mit einem Sonderausgang. Ich riss meine Hacken zusammen und rief „Ich diene der Deutschen Demokratischen Republik“. Patschen war mit dem Theaterstück zufrieden und ich dachte so ein Trottel hat so eine hübsche Frau. Am Sonntag ging ich in den Ausgang, eigentlich hatte ich keine Lust alleine zu gehen. Aus dem Grund ging ich nicht allzu weit. Das Hotel am Bahnhof war zwar nicht das Billigste aber es hatte schon geöffnet. Also trabte ich dorthin. Fähnrich Gebauer, unser Gaser, saß da in Zivil, ich grüßte ihn, er nickte zurück. Ich merkte ihm an es war ihn unangenehm, dass ich ebenfalls da einkehrte. Seine linkische Art, verstärkte sich, ich glaube er war Menschenscheu. Mein Geld konnte ich auch woanders ausgeben. So trank ich nur ein kleines Bier und verschwand. Ich bummelte durch Erfurt, die Altstadt war schön und das Wetter passte. Ich setzte mich auf eine Bank und döste vor mich hin. Wie lange ich gesessen hatte weis ich nicht, auf einmal klopfte mir jemand auf die Schuler und lachte. Es war Chaleri. Was machst du denn hier, fragte er mich? Na warten auf dich, was sollte ich sonst sagen. Chaleri war schon nicht mehr ganz alleine, er war auf Kneiptour. Ich schloss mich ihm an. Letztendlich landeten wir in einer Kneipe am Anger. Chaleri war ordentlich abgefüllt und machte ein Bäuerchen unter den Tisch. Schnell bezahlte ich unsere Rechnung am Tresen, um jeglichen Ärger zu vermeiden. Während ich bezahlte stürtzte Chaleri schon Richtung Ausgang, ich sah zu das ich hinterher kam. Kaum waren wir an der frischen Luft bekam Chaleri einen Schwinderling und marschierte Richtung Straßenbahngleis. Die sich nähernde Straßenbahn leitete eine Notbremsung ein und bimmelte wie verrückt. Chaleri bekam von alldem nichts mehr mit, er torkelte auf das Gleis. Ich machte die Augen zu. Wie durch ein Wunder bekam er erneut einen Schwinderling und stürzte runter vom Gleis. Es waren Millimeter die ihm am Leben ließen. Ich schleifte ihn in die Kaserne. Im Gegensatz zu Chaleri konnte ich länger im Bett bleiben. Ich wachte so gegen Acht von Lärm unterm Fenster der Feuerwache auf. Ich schaute hinaus, es war Roos der seinen Morgenappell vor der Kaserne abhielt. Mein Anblick muss amüsant gewesen sein, denn er trug zur allgemeinen Erheiterung bei. Roos brüllte, Müller ich werde dafür sorgen, das sie das letzte Mal Feuerwache gestanden haben, sie verlumpern mir dort total. Zwei Tage später wurde ich abgelöst und stand Tatsache nie mehr Feuerwache. Auch meines Postens als TA – Schreiber wurde ich enthoben. Jeder konnte sich denken, dass ich Tschofen mit Werkzeug „ausgestattet“ hatte, nur wollte mir das niemand nachweisen. Man hatte Angst dass da noch mehr raus kam. Denn schließlich hatten auch Offiziere bei mir „eingekauft“. Nur Patschen versuchte Tschofen noch ein paar Mal auszuhorchen, wo er das Zeug her hatte aber der schwieg wie ein Grab.
Das Bergfest stand an. Im Vorfeld wurde schon mal eifrig Bier gebunkert und in der Wäschekammer verstaut. Chef der Wäschekammer war Gefreiter Graichen. Genau genommen hatte er als dreijähriger sein Bergfest schon lange hinter sich aber er ging ja mit uns nach Hause. Da wollte er kräftig mitfeiern und stellte uns die Wäschekammer zur Verfügung. Sonst hatte er sich immer eng mit seiner Kammer. Wöchentlich war einmal Wäschetausch, wollte man extra tauschen blockte er es immer ab. Sie hatten ihm einen Springer unterstellt, der fing auch schon an Höhe zu bekommen. Meiße holt ihn auf den Boden der Tatsachen zurück. Beim extra säubern der Toilette konnte er sich überlegen wie er mit uns umsprang. Das wir die Kammer nutzen durften war gar nicht so schlecht, denn da vermutete uns und das Bier niemand. Wir hatten jetzt über 270 Tage gedient. Bengert war da wie die Feuerwehr. Er rechnete es auf den Tag aus. Die Monate waren ja unterschiedlich lang. Ich sagte zu ihm, man kann es auch übertreiben, wir kommen deswegen keinen Tag eher nach Hause. Als Hans Dampf war er nun mal so. Zur Feier des Tages malten wir auf unsere Kragenbinde EK 81 I, das Entlassungsdatum, und setzten sie uns wie eine Krone auf. Das Maßband durften wir Probetragen. Die Feier endete für mich tödlich. Wie ich ins Bett gekommen bin entzog sich meiner Kenntnis. Am nächsten Morgen musste ich meine Bettwäsche vom Vollgekotzten reinigen. Da war ich nicht der Einzige.
Im August stand die nächste Fahrübung an. Es ging in den Thüringer Wald. Wir fuhren die Autobahn bis Waltershausen. Hier verließen wir die Autobahn und weiter ging es nach Tabarz. Eigentlich ein Ort zum Urlaub machen und nicht zum Kriegspielen. Eine Forststraße hinauf fuhren wir zum kleinen Inselsberg. Hier hielten wir mit unseren Tankern, abtarnen brauchten wir sie nicht. Ich wurde zur Feldwache eingeteilt, während die anderen zur Ausbildung im Gelände heran gezogen wurden. Unsere Fahrzeuge standen in einem Hohlweg. Ich bezog oberhalb des Weges meinen Posten in einer kleinen Fichtenschonung. Es kamen Wanderer des Weges, sie unterhielten sich laut. Schau mal sprach der Eine, alles Tanker und nicht bewacht. Er wollte den Tanker vom langen Müller öffnen, der stand direkt unter mir. Er griff zur Klinke. Finger weck rief ich. Der junge Mann erschrak gewaltig. Als er sich vom Schreck erholt hatte, sprach er, sie habe ich gar nicht gesehen. Das ist nun mal der Sinn der Tarnkleidung, antwortete ich. Die Einstrich – Keinstrich Uniform war wirklich nicht die Schlechteste. Als unsere Kompanie wiederkam war abgammeln bis zum Abend angesagt. Wir fasten unser Abendbrot aus. Ich haute mich in den Tanker zum Schlafen. Irgendwann wummerte es gegen die Fahrertür. Erschrocken fuhr ich hoch, es war Uffz. Ammling. Draußen war es schon Finster. Müller die sind schon alle Weg vor dir, du hat es verpennt, du musst jetzt die Kolonne anführen. Ich sagte zu ihm los steig ein. Wieso mich keiner geweckt hat, wollte ich von ihm wissen. Ammling meinte das war ganz komisch, keiner wusste etwas, es kam auch kein Befehl. Irgendwann ist mir aufgefallen das die Fahrzeuge vor dir verschwunden waren. Ich konnte es mir nur so erklären, der Befehl muss irgendwo stecken geblieben sein. Bestimmt hatte der Luderer es wieder verhauen. Endlich hatten wir es geschafft die Abfahrt vom Inselsberg. Wir kamen an eine Kreuzung. Hier stand jemand, es war der Kradmelder von der zweiten Kompanie, der winkte in welche Richtung ich sollte. Ich kam zu einer kleinen Brücke, sie mündete zur Landstraße. Hauptmann Knoll stand auf ihr, ich hielt an und fragte ihn in welche Richtung die dritte Kompanie gefahren ist. Er meinte an der Landstraße links abbiegen. Hauptmann Knoll war der neue Kompaniechef von der Zweiten, nach dem Major Lemke in Pension gegangen war. Er fragte mich ob ich seine Kompanie gesehen hätte. Ich verneinte, nur den Kradmelder. Der Hauptmann fing an zu lachen. Was es da zu lachen gibt wollte ich wissen? Du stehst auf einer Brücke die für 5 Tonnen zugelassen ist. Na da gehen sie mal runter, sagte ich und gab Gas. An der Gabelung stand noch 5km bis Brotterode. Ich fuhr los, mir kam ein Kradmelder entgegen. Es war Theo von unserer Kompanie, ich hielt an. Da seit ihr ja schon, in Brotterode fährst du Richtung Trusetal. Dort schließt du zur Kompanie auf, ich fahre weiter und schau mal ob die alle an dir dran geblieben sind. Halb Brotterode war auf den Beinen, sie standen staunend am Straßenrand, was da wohl so kurz nach Mitternacht abging. Hinter der Ortschaft stand die Kompanie. Roos sagte kein Ton, wer weis was da passiert war. Wir fuhren in den Bezugsraum. Am nächsten Morgen war wieder Vollschutz angesagt. Den ganzen Vormittag fuhren wir unter Vollschutz. Über Friedrichroda, Ohrdruf ging es nach Crawinkel. Hier konnten wir unseren Jumbo ausziehen. Uffz. Beetz stand zufälliger Weise neben mir und sagte hier bin ich zu Hause. Da hatte er es ja wirklich nicht weit bis Erfurt. Am Abend erreichten wir die Kaserne.
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